Missouri bleibt in der Union.

Nach der Wahl Lincolns zum 16 Präsidenten der Vereinigten Staaten, kam es schnell zum Bruch innerhalb der Union. Die späteren Südstaaten traten nach und nach aus der Union aus. Auch in St. Louis herrschten starke prosüdliche Strömungen und Gouverneur Claibourne Fox Jackson versuchte die Stadt und den Staat auf die Seite des Südens zu ziehen. Zu Beginn des Jahres 1861 wurden diese Versuche immer deutlicher. Ein besonderes Ziel der Sezessionisten war das Bundesarsenal in St. Louis. Dies war übervoll mit Waffen und militärischem Gerät.

Der deutsche Anteil an der Bevölkerung von St. Louis betrug 1860 ca. 60.000 Einwohner  von etwa 170.000  Einwohnern, im Stadtgebiet gab es 82 Sklaven. Als Anfang 1861 klar wurde wohin Gouverneur Jacksons Ambitionen gingen, trafen die deutschen Organisationen Vorkehrungen, um diesen entgegen treten zu können. So erschien im "Anzeiger des Westens" und in der "Westlichen Post" am 11. Januar 1861 folgende Anzeige:

Ab dem 06. Februar stellte der Turnverein von St. Louis in der Turnhalle ein Bataillon in Stärke von 3 Kompanien mit zusammen 280 Mann auf. Dieses Bataillon übte fortan in der Turnhalle. Es gab noch weitere kleine deutsche Milizorganisationen in St. Louis doch blieben sie im Vergleich zu den Schwarzen Jägern und dem Turner - Bataillon unbedeutend.

Als Lincoln am 14. April nach 75.000 Freiwilligen rief, sollte Missouri 4.000 Freiwillige stellen. Am 17. April nannte Gouverneur Jackson diesen Aufruf  "ungesetzlich, unconstitutionell und revolutionär, in ihren Zwecken unmenschlich und teuflisch". Er führte weiter aus, daß der Staat Missouri nicht einen Mann für einen so "unheiligen Kreuzzug" stellen würde.
Die deutschen Teile der Bevölkerung und unter ihnen besonders die bereits militärisch organisierten Turner und schwarzen Jäger stellten sich sogleich der Union zur Verfügung. Sie boten ihre Dienste dem Captain Nathaniel Lyon an, diesem waren jedoch die Hände gebunden, so daß er die Deutschen nicht als Freiwillige einschwören und bewaffnen konnte.
Nachdem bis zum 21. April nichts geschehen war trafen sich die Turner am Abend in der Turnhalle und beschlossen, wenn bis 07:00 Uhr des 22. April noch keine Entscheidung von offizieller Seite gefallen sei, würde das komplette Bataillon nach Illinois überwechseln und in den Dienst dieses Staates eintreten. Doch soweit kam es nicht.
 

Um 04:00 Uhr am 22. April öffnete das Bundesarsenal in St. Louis seine Tore. Das Turnerbataillon begab sich umgehend dorthin. Nachdem sie den Eid geleistet hatten und bewaffnet waren, nahmen sie sogleich am Wachdienst teil. Im Laufe des Tages trafen immer mehr Freiwillige ein. Es waren meistens Deutsche. Bereits am 23. April konnten die ersten zwei Regimenter gebildet werden. Diese wählten dann ihre Kommandeure. Bis Anfang Mai wurden so fünf Freiwilligen Regimenter aufgestellt, fast ausschließlich aus Deutschen bestehend, nur in den Reihen des ersten Regimentes befanden sich 400 Amerikaner. Es waren dies die Regimenter:

In den Reihen dieser Regimenter finden sich noch viele ehemalige deutsche Revolutionäre. So trat einer der ehemaligen Führer der Revolution in Baden Friedrich Hecker, gemeinsam mit seinem Sohn Artur, als Gemeiner dem 3. Freiwilligen Regiment bei. Einer der Kompaniechefs in Franz Sigels Regiment war Adolph Dengler. Die Schützenkompanien des 2. Regimentes wurden von Major Peter Joseph Osterhaus kommandiert. Im zweiten Missouri dienten noch Heinrich Börnsteins drei Söhne und sein Schwiegersohn. Neben den Infanterieverbänden wurde noch eine Artillerieeinheit unter Major Franz Backhoff und Captain Johann Albert Neustädter aufgestellt. Diese suchen oftmals eine Verbindung zu ihrer deutschen Vergangenheit. So trägt das 3. Freiwilligen Regiment Uniformen, die stark an die der Freischaren von 1848/49 erinnern; andere Einheiten hatten sich schwarz-rot-goldene Kokarden an die Hütte gesteckt.

Aufgrund der großen Resonanz bei der deutschen Bevölkerung beschloß Captain Lyon am 04. Mai 1861 noch 5 Heimwehrregimenter aufzustellen. Das erste dieser Regimenter wurde von Colonel Heinrich Almstedt  geführt, dessen Lieutenant Colonel Robert J. Rombauer war und im zweiten Regiment war John  T. Fiala der Lieutenant Colonel. Das fünfte Regiment wurde von Colonel Charles G Stifel geführt. Anfang Mai standen somit auf Seiten der Union fast 10.000 Mann unter Waffen, dabei handelte es sich hauptsächlich um Deutsche.

Am 03. Mai 1861 sollte Missouris gesamte Miliz für sechs Tage Übungslager in den jeweiligen Distrikten beziehen. Dies hatte Gouverneur C.F.Jackson angeordnet. Mit dieser Anordnung bewegte er sich im Rahmen der Gesetze, doch liefen die erlaubten sechs Tage am 09. Mai ab.

Das innerhalb der Stadtgrenzen von St. Louis errichtete Miliz - Camp wurde zu Ehren des Gouverneurs "Camp Jackson" genannt. Dort versammelten sich schnell die Milizverbände der Umgegend, und binnen kurzer Zeit standen im Camp Jackson drei Regimenter Miliz bereit. Am Abend des 09. Mai kam noch eine Artilleriekompanie der Miliz in St. Louis an und bezog Lager im Camp Jackson. Es handelte sich hierbei um eine deutsche Einheit unter Captain Wilhelm Jackson. Doch bei den folgenden Ereignissen verhielt sich diese Einheit vollkommen neutral um nicht zu sagen prounionistisch.
 
Unter den Freunden der Union herrschte die Meinung, daß Camp Jackson ausgehoben werden müsse. Und zwar schnellst möglichst, da der Grad der Bewaffnung der Milliztruppen von Tag zu Tag besser würde. In der Nacht des 08. Mai kamen dann auch auf dem Flußdampfer Swon beträchtliche Mengen an Waffen, Geschützen und Munition in St. Louis an und wurden noch in der Nacht nach Camp Jackson verbracht. In der Nacht des 09. Mai lief die Übungszeit ab und somit hörte die rechtliche Existenz des Lagers auf.

Am Morgen des 10. Mai handelten die Kräfte der Union unter dem Oberbefehl des Captain Lyon. Das erste bis vierte Freiwilligen Regiment sowie Captain Lyon mit 200 Soldaten der regulären Streitkräfte marschierten mit sechs Geschützen unter Major Backhoff rund um Camp Jackson auf. Das 5. Freiwilligen Regiment und die Heimwehrregimenter eins bis vier sicherten unterdessen das Bundesarsenal und die Stadt.

Als sämtliche Truppen ihre Stellungen bezogen hatten, sandte Lyon ein Ultimatum nach Camp Jackson. Woraufhin die Milizverbände innerhalb des Lagers sich kampflos ergaben, unter den Zusagen, daß Offiziere ihre Degen behalten könnten und das Lager bewacht würde. Daraufhin erhielt Colonel Sigel Order seine Kompanie F unter Captain Blandowski als Wachen am Eingang des Lagers aufzustellen, während er mit dem Rest seines Regimentes das Lager besetzen sollte. Das erste und zweite Regiment führte die rund 1200 Gefangenen in das Bundesarsenal. In der Zwischenzeit hatte sich eine größere prosüdliche Menschenmenge am Camp Jackson angesammelt, aus deren Mitte Schmährufe gegen die "Hessen" laut wurden. Nachdem die Gefangenen abgeführt waren und nur noch Captain Constantin Blandowskis Kompanie am Eingang des Lagers stand, wurde die Menge immer selbstsicherer. Erst flogen Dreckklumpen und dann Ziegel auf die Wachen vor dem Lager. Diese reagierten jedoch nicht. Durch diese Untätigkeit aufgestachelt, fielen aus der Menge Schüsse. Zwei Soldaten fielen, ein weiterer Schuß zerschmetterte die Kniescheibe von Captain Blandowski, worauf dieser ein Feuerkommando gegeben haben soll. Die am Eingang des Lagers stehende Kompanie F des 3. Regimentes eröffnete das Feuer auf die Menschenmenge, wobei 15 Personen getötet wurden. Constantin Blandowski mußte infolge seiner Verwundung ein Bein amputiert werden. Er starb am 25. Mai an den Folgen der Operation.
 
Nach diesen Ereignissen schaukelte sich die öffentliche Meinung hoch. Heinrich Börnstein berichtet darüber in seinen Memoiren:

Eine solchermaßen aufgeputschte Menge machte sich in der Nacht auf  die Jagd nach Deutschen. Etliche Deutsche wurden mißhandelt und einige sollen auch ermordet worden sein. Als die Menge sich nach den Redaktionsräumen des "Demokrat" begab, war dieser von der örtlichen Polizei besetzt. Darauf beschloß man die Redaktion von Heinrich Börnsteins "Anzeiger des Westens" zu besuchen, doch diese wurde durch zwei Kompanien aus Heinrich Börnsteins 2. Freiwilligen Regiment gesichert.

In den folgenden Tagen beruhigte sich die Lage in St. Louis zusehends. Missouri verblieb in der Union. Dies war sicherlich zu einem bedeutenden Teil den deutschen Freiwilligen zu verdanken. Wieviele in den Reihen der Regimenter in den Jahren 1848/49 in Deutschland Kampferfahrung gesammelt hatten, wird wohl nie zu klären sein. Aber wieviele von ihren Führern ehemalige 48er waren und wieviele bedeutende 48er in ihren Reihen kämpften, ist sicherlich als Indiz für die hohe Beteiligung ehemaliger 48er an diesem Kampf zu werten. So kämpfte Michael Best als einfacher Soldat im ersten Freiwilligen Regiment. In den Reihen des zweiten Regiments fanden sich Otto Schadt als Captain von Kompanie A und Robert Leussler als einfacher Soldat in Kompanie F. Albert Anselm stand in den Reihen des dritten Freiwilligen Regimentes und Dr. Johann Hohlfeld war Leutnant in Captain Blandowskis Kompanie. Adam von Hammer besetzte die Position des Lieutenant Colonels im vierten Missouri und der Regimentsarzt des fünften war Emil Haas.

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