Revolutionsflüchtlinge und der amerikanische Bürgerkrieg

Als Anfang 1861 der Bürgerkrieg in den USA unausweichlich wurde, und am 15. April 1861 Präsident Abraham Lincoln nach 75.000 Freiwilligen zur Niederschlagung der Rebellion im Süden der Vereinigten Staaten rief, folgten diesem Ruf auch viele deutsche Einwanderer und deren Nachkommen. Besonders die 1848er unter ihnen waren bereit,  ihre neue Heimat mit der Waffe zu verteidigen. Für sie verkörperte Abraham Lincoln die Werte, für welche sie schon in ihrer alten Heimat eingetreten waren. Für die Freiheit (der Sklaven) und für die Einheit (der Vereinigten Staaten von Amerika). Der Süden hingegen stellte für sie alles, wogegen sie bereits in Deutschland gekämpft hatten, dar. Der Süden wurde als aristokratisch angesehen. Daß sich ein solches System wirtschaftlich auf die Sklaverei stützte, war für die überzeugten Republikaner eine notwendige Konsequenz.

Auch wenn die Sklavenbefreiung ein persönliches Ziel von Abraham Lincoln war, so wurde sie doch anfangs ganz klar aus den Kriegszielen ausgegrenzt. So äußerte sich Präsident Lincoln in einem Brief an Horace Greely am 22. August 1862 zur Sklavenfrage:

Dies widersprach der Einstellung der 48er klar. Für sie war die Befreiung der Sklaven und die Abschaffung der Institution Sklaverei ein entscheidendes Kriegsziel von Anfang an. So schreibt Karl Schurz in seinen Lebenserinnerungen:

Auch Gustav Struve sieht in "Diesseits und Jenseits des Oceans" die Sklavenfrage als den Hauptgrund des Bürgerkrieges:

Da die 48er in der Institution der Sklaverei einen mit ihrer freiheitlichen Grundeinstellung nicht vereinbaren Gegensatz sahen, war die Formulierung der Sklavenbefreiung als Kriegsziel für sie selbstverständlich. Und indem Lincoln dies anfangs unterließ, bewirkte er eine Abkehr vieler 48er von seiner Person und seiner Politik. Erst nach der "Emancipation Proclamation" vom 22. September 1862 stehen die 48er wieder voll hinter der Politik Abraham Lincolns mit welcher sie sich jetzt wieder voll und ganz identifizieren konnten. So schrieb Gustav Struve nach der "Emancipation Proclamation" 1863 in seinen Erinnerungen "Diesseits und Jenseits des Oceans":

Der Einfluß der Deutschen und besonders der ehemaligen 48er unter ihnen war nicht  unbeträchtlich. Die 48er und unter ihnen besonders Adolph Dengler und August Willich waren maßgeblich an den Bestrebungen zur Organisation der Gewerkschaftsbewegung in den USA beteiligt. Karl Schurz trat im Wahlkampf von 1860 als Redner für die republikanische Partei auf. In New York wurde Max Weber zu einer Anlaufstelle für die deutschen Emigranten. Nach 1848/49 wurden viele neue deutschsprachige Zeitungen in den USA gegründet und die allgemeine Schulpflicht für Einwandererkinder an den deutschen Schulen wurde eingeführt.

Nachdem Lincoln nach 75 000 Freiwilligen für die Union gerufen hatte, waren unter den ersten Freiwilligen auch viele Deutsche. Etliche von ihnen traten als komplette Kompanien und Regimenter in den Dienst der Union. Es waren dieses häufig sogenannte Turnerkompanien oft unter der Führung militärisch erfahrener 1848er Veteranen. Diese milizähnlichen Vereinigungen hatten sich seit längerem vorbereitet und waren körperlich fit und im Schießen geübt. Schon 1856 hatten bewaffnete Turnerformationen in St. Louis und Cincinnati ihre deutschen Mitbürger bei fremdenfeindlichen Ausschreitungen geschützt. Anfang 1861 waren es wieder deutsche Einwanderer, die sich in St. Louis gegen die zum größtenteils prosezessionistische Bevölkerung stellten, und so ihren Teil zum Erhalt Missouris für die Union taten.

 nächste Seite