"Herewith I am giving you to know ...". The letters of the farmer John Henry zur Oeveste from Amerika 1834 - 1876

New from EDITION TEMMEN Bremen
Antonius Holtmann, Editor
Ferner thue ich euch zu wissen ...
Die Briefe des Johann Heinrich zur Oeveste aus Amerika 1834-76
175 pages, 120 illustrations, 8 1/2 x 9 1/2"hardcover *
ISBN 3-86108-277-2
© 1995 by Edition Temmen
Second Edition 1996
US $ 28.00 * U.S. Distributor:NCSA LITERATUR, 430 S. Kelp Grove
Rd.Nashville, Indiana 47448
E-Mail: reichman@indiana.edu
In March 1834, Johann Heinrich zur Oeveste left his father's farm in the Osnabrueck region and joined some friends who were seeking their fortune in the New World. They sailed on the "Magdalene" from Bremerhaven to Baltimore. After a number of odd jobs and putting savings aside, zur Oeveste carved his dream out of Indiana wilderness in Bartholomew County: his own farm.
The present German-language edition of a find of 31 letters to family members at the old homestead and in Indiana provides a vivid picture of zur Oeveste's experiences and thoughts in and about his "New World."
Even though the answers from the folks back home have not survived, the letters from America give a fascinating insight into the life of the first and second immigrant generation. They are augmented by carefully researched annotations and brief essays that provide familial and socio-political/historical context for the experience of a typical North German emigrant/immigrant around the middle of the 19th century.
These letters will be published in English by the Indiana Historical Society, Indianapolis/Indiana.
Professor Antonius Holtmann, Director of the Research Program "Lower Saxon Emigrants in the USA" at the University of Oldenburg
Society for German American Studies Newsletter 16(1995)4:
Antonius Holtmann, ed. „Ferner thue ich euch zu wissen ...“ Briefe
des Johann Heinrich zur Oeveste aus Amerika (1834-1876) (Bremen: Edition
Temmen: 1995), 175 pp. ISBN 3-86108-277-2.
Excellent footnoting and extensive bibliography. Departing Bremerhaven
with relatives and friends as a „migrant worker“ in March 1834, the eldest
son of a Bramsche farmer (Landdrostei Osnabrück), J.H. zur Oeveste
reached Baltimore on board the Magdalene. Using 120 illustrations, the
31 letters home depict American farm life from the immigrants microcosmic
view. A superb 31 page introduction by the editor describes the situation
in Germany at the time of emigration and historical facts about the letter
writer, including charts with his family tree.
(La Vern J. Rippley)
Lebensüberblick/curriculum vitae
Johann Heinrich zur Oeveste (1801, 1834-1878)
Der Arbeiter
Johann Heinrich zur Oeveste ist am 13. März 1834 als Arbeitsmigrant
nach Amerika gegangen. Er hatte nicht im Elend gelebt und er hätte
nicht verelenden müssen, wenn er nicht gegangen oder wenn er zurückgekehrt
wäre. Das elterliche Colonat in Rieste bei Bramsche in der Landdrostei
Osnabrück, das der Vater schon bald freikaufen konnte, hätte
ihm, auch über die weitläufige bäuerliche Verwandtschaft,
wenigstens Obdach und Arbeit gewährt.
Vieles
deutet darauf hin, daß er einen Bauernhof haben wollte. Dafür
hat er viel auf sich genommen: Arbeit auf einer Farm und in einer Whiskey-Brennerei,
beim Kanal- und Eisenbahnbau, im Stahlwerk und in einer Farbenfabrik, zum
Teil als Wanderarbeiter im Süden am Mississippi, und dies häufig
bei "schlechter Kost und Schläferei". Den elterlichen Hof
in Rieste hat er nicht erben können. Mit Bekannten, wohl auch mit
Freunden, ist er auf dem Schiff, andere empfangen ihn in Baltimore. Gemeinsam
gehen sie übers Gebirge an den Ohio, das Gepäck auf einem gemieteten
Wagen. In Cincinnati finden sie bei einem Gastwirt aus Bramsche Quartier.
Sie ziehen weiter in den Staat Ohio hinein, wo ein Sohn der Heuerleute
des elterlichen Colonats ihnen weiterhilft. J. H. zur Oeveste bleibt unter
Landsleuten und unter Lutheranern. Er ist dabei, als sie in Cincinnati
die "Norddeutsche Lutherische Kirche" gründen, ihre "Osnabrücker
Kirche", die "Plattdeutsche Kirche".
Der Siedler
J. H. zur Oeveste hat nicht leichtsinnig gehandelt. Erst verdient er
Geld, um sich "in einen Busch einzuhacken", dann kauft er bei
Columbus in Indiana Land, danach beantragt er die amerikanische Staatsbürgerschaft,
und zwei Wochen später heiratet er eine Osnabrückerin, die er
in der "Osnabrücker Kirche" kennengelernt hat. Er zieht
mit seiner Frau auf seine mit Nachbarschaftshilfe gerodete Lichtung in
den Urwäldern von Indiana, verdreifacht in 15 Jahren seinen Besitz.
Die Rodung nimmt kein Ende, Garten- und Ackerbau und Viehhaltung haben
ihre Grenzen in der verfügbaren Arbeitskraft, solange Maschinen noch
nicht zur Verfügung stehen. Ein Knecht im Sommer muß genügen.
Die Tochter Sophia (geboren 1845) kann erst Ende der 50er Jahre helfen,
der Sohn Heinrich (geboren 1852) erst Mitte der 60er Jahre: Von sieben
Kindern sterben zwei. Die Arbeit ist hart und immer zuviel, und doch schreibt
er am 25. Februar 1847: "Der liebe Gott ist mit mir in Amerika",
und: "Mir hat niemand zu befehlen". Er ist sein eigener Herr
auf eigenem Grund und Boden. Er hat die Tochter von Heuerleuten geheiratet,
die ihm in Deutschland keinen Hof verschafft hätte und der er im Osnabrücker
Land keinen Hof hätte bieten können. Hier, in der Osnabrücker
Siedlung am White Creek, lebt er "vielleicht besser, als wenn"
er im Kirchspiel Bramsche "eine aus den ansehnlichsten Familien geheiratet
hätte".
Der Bürgerkrieg
J. H. zur Oeveste zeigt sich in seinen Briefen nicht als ein Mann der
großen Worte und des gefühlsbetonten Überschwangs. Den
Bürgerkrieg bringt der auf den Punkt: es gehe zunächst einmal
nicht um die Abschaffung der Sklaverei, sondern darum, deren Ausweitung
zu verhindern, und wenn die Schwarzen keine Sklaven (mehr) seien, bedeute
dies noch nicht die Gleichberechtigung; sie seien eben "Negers".
Die Soldaten fallen nicht für die Union und nicht für die Freiheit,
sie werden nur "totgeschlagen". Schlimm findet er vor allem,
"daß der Ackerbau nicht mehr gehörig betrieben werden kann".
Das ist nicht sein Krieg, bei aller zurückhaltenden Parteinahme für
den Norden, sondern ein Strafgericht Gottes, "der die Herzen der Menschen
lenket wie Wasserbäche".
Der Lebensabend
Nach Ende des Bürgerkrieges (1865) ist J. H. zur Oeveste mit seinem
Sohn männliche Hilfe herangewachsen. Bis zum "Rentenalter"
hat er nahezu allein mit seiner Frau die schwere Last der Rodung und der
Landwirtschaft getragen. Er ist müde geworden, fügt sich der
Vorsehung Gottes, wie er es von Kindesbeinen an schon in der Nebenschule
in Rieste und in St. Martin in Bramsche gelernt und in St. Johannes am
White Creek gut altlutherisch gehört hatte. Verhalten stolz nennt
er die amerikanische "Regierungsform ... wohl die beste in der Welt",
sieht aber doch zu viele "Spitzbuben" der "angelsächsischen
Partei" an der Macht. Als Anhänger der von Katholiken und Lutheranern
bevorzugten "Demokratischen Partei" mag er die "Republikaner"
damit meinen; vielleicht schreibt er aber auch den Deutschen mehr Treu
und Redlichkeit zu. Auf seinem Grabstein (1878) auf dem Friedhof der St.
Johan-nes Gemeinde am White Creek steht der Leichentext Offenb. Joh. 14,13:
"Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja,
der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke
folgen ihnen nach". Sein Auswanderer-Leben kann für viele stehen.
Er wird Psalm 90,10 häufig gehört und gelesen haben: "Unser
Leben währet siebenzig Jahr, und wenn es hochkommt, so sinds achtzig
Jahr, und wenn es köstlich gewesen ist, so ists Mühe und Ar-beit
gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon."
Der Erbe
Der einzige Sohn erhält die Farm. Er versorgt die Mutter, und
die Töchter erhalten ihr Erbteil. Einen langen Brief schreibt er nach
Rieste, in dem er berichtet, wie er Landwirtschaft betreibt, stolz auf
das, was seit Vaters Anfängen im Busch aus der Lichtung mit ihren
abgestorbenen Bäumen und mit dem ewigen Brandgeruch und was aus der
rohen Blockhütte geworden ist, stolz auf die Maschinen, die ihm die
Arbeit erleichtern und die zu bearbeitende Fläche vergrößern,
stolz auf die Erfolge der Geschwister, die in der Nachbarschaft verheiratet
sind oder in der Kreisstadt ein gutgehendes Geschäft betreiben. Die
Tochter Sophia Louise ist mit ihrem Geschäft an Columbus/Indiana gebunden.
Ihre Geschwister ziehen zu Beginn der 90er Jahre "in das gelobte Kansas".
Der Erbe kehrt nach einem Jahr zurück, enttäuscht von der Dürre.
10 Jahre später wagt er es noch einmal. In Lincoln/Kansas ist er 1916
gestorben.
Die Mutter
Nicht weniger Mühe und Arbeit ist das Leben für Regina Louisa
zur Oeveste, geb. Geist, gewesen. Sie hat die schwere Arbeit im Busch geleistet
und 7 Kinder geboren. Sie hat das Briefeschreiben ihrem Mann überlassen,
wohl kaum Englisch gelernt und ihr Leben im engen Kreis von Familie und
Nachbarschaft verbracht. In den Briefen ihres Mannes Johann Heinrich spielt
sie keine große Rolle, aber doch die ihr in diesem sozialen Milieu
zugewiesene und in Briefen darzustellen gewohnte. Der Bauernsohn betont,
daß der Heuerleute Tochter aus einer ehrlichen Familie komme und
daß er mit ihr in Amerika vielleicht glücklicher und friedlicher
lebe als mit einer Bauerntochter in Deutschland. Zweimal schreibt er von
Erkrankungen und einmal, daß sie "es gänzlich abschlug",
ihn nach Deutschland reisen zu lassen. 95 Jahre alt ist Regina Louisa zur
Oeveste geworden. Sie hat ihren Ehemann um 35 Jahre überlebt. Sie
hat Last und Einsamkeit des Alters getragen, auch die verletzende und schmerzende
Erfahrung, dem eigenen Kind zur Last zu fallen.
![]() |
Beim Photographen
Dieses Foto haben die Eheleute zur Oeveste in einer gefütterten verschließbaren Holzschachtel aus den USA nach Rieste geschickt. Es ist koloriert. Der Schmuck könnte vom Photographen zur Verfügung gestellt worden sein. |
Köder/baits
Baltimor, den 19ten Mey 1834
... der April hat gänzlich aus gestürmet und ob Wir schon nach
der ansage des Kapiteins und aller Matrosen wegen eines starken und festgebauten
Schifs in der ofnen See keine Lebensgefahr hattn so ist doch ein Seesturm
für einen ieden der es nicht mehr erfahren hat sehr Schauderhaft und
entsetzlich und dabey höchst unangenehm. man kan fast weder gehen
noch stehen Weder sitzen noch liegen. die Kisten welche nicht vorsichtig
fest gemacht waren fielen uebereinander. man konte fast weder eßen
noch Trinken.
* * *
Cincinnäty, den 2ten April 1836
... die mehrsten Deutschen welche hier Busch Land kauffen und nicht Viel
Geld ubrig behalten müssen am Kanaal Arbeiten oder wo sie nur Arbeit
kriegen können und können nur dan und wan auf Ihren eignen Lande
Arbeiten. doch wer erst so viel vertig hat das er sein Leben darauf machen
kan der lebt hier mangmal besser wie in Deutsland den das land ist hier
fetter und von Düngen weis man hier nichts. abgaben sind hier geringe
für einen Landman. es mag sein wie es will. wer bey euch einen Platzt
hat das er sein Leben machen kan und gedenkt denselben zu verkauffen um
nach Amerika zu reisen um sein Leben da zu verbeßern der jrrt sich
so weit wie ich es kenne und macht sich viel mühe in seinen Leben.
den so viel kan sich ein ieder selbst davon vorstellen das wer in einen
Wilden busch zieht mangmal bey fremden Leuten kein Vergnügen haben
kan wie einer der auf sein eigenthum bleibt wo er erzogen und gebohren
ist, ...
* * *
Cincinnati den 31ten October 1839
... Die Deutschen-Lutherischen haben diesen Sommer eine schöne Kirche
gebaut welche sie heissen die Norddeutsche-Lutherische Kirche. dieses sind
lauter platdeutsche und haben sich von den Hochdeutschen welche merst kommen
aus den südlichen Gegenden von Deutschland, getrennt; es sind hier
drey Deutsche-Lutherische-Kirchen eine Deutsch-Katholische, eine Juden
Sinagogen. von den Englischen Kirchen aber wie viel und wie mancherley
Sekten kan ich nicht genau schreiben. Es giebt viele von den Amerikanern
welche keine Religion annehmen, Verschiedene lassen sich Tauffen wen sie
erwachsen sind, Viele lassen die Kinder lehren aber keine Religion annehmen
welches sie ihnen in der Wahl lassen bis sie erwachsen sind. den es ist
hier ein Freies Land ein jeder kann glauben und denken was er will und
davon kommt es auch das es hier so mancherley Sekten giebt von welche man
bey Euch in Deutsland nichts zu sagen weiß. Ich aber sage bleibe
in dem das du gelernet hast und dir vertrauet ist. ...
* * *
Bathalimer Counti St Indiana. den 25ten September 1844
... besondere neuigkeiten weis ich für dies mahl nicht viel mehr zu
Schreiben als das beste. es gefält uns hier ziemlich gut. ich Lebe
mit meine Frau so glücklich und frietsam und vielleicht besser als
wen ich eine bei euch aus den ansehnlichsten Vamilien geheirathet hätte.
unser kleiner Knabe wächst zu unser größten Freude heran
er kennt schon einige Buchstaben und Spricht schon bisweilen von Deutsland.
...
* * *

Adresse der Eltern; Rückseite des Faltbriefes vom 30. September
1834
(Bartholomew County Historical Society. Columbus/Indiana)
* * *
Bathalimer Counti Weit Krick den 25ten Feberw. 1846
... ein ieder macht sein Leben hier besser wie in Deutsland. dieses Glaubte
ich die ersten Jahren auch nicht wie ich mich noch ledig hier in diesen
Lande herum trieb. ietzt kan ich euch mit Wahrheit Schreiben das der Liebe
Gott mit mir ist in Amerika. ich lebe Glücklich und Zufrieden mit
meiner Frau. meine Beiden Kinder Lachen mir Freundlich entgegen wen ich
ein und aus gehe. mir hat nie mand zu befehlen ...
* * *
Bathalime Caunti Wait Krick den 17 Jan 1857
... die Ve Staaten bestehen ietzt aus 31 Staaten und einigen Territorien
das heist neun Länder welche erst angesiedelt werden und nach her
wen sie so viel einwohner zählen in die Vereinigten Staaten aufgenommen
werden. in 15 Staaten haben sie das recht Schlafen zu halten. diese nent
man Schlafen Staaten und 16 wo keine Sklawerei ist nent man freie Staaten.
es sind ietzt Viele dafür die Sklawerei gänzlich abzuschaffen.
aber man besorgt das zwei Nation nemlich Schwarze und Weiße untereinander
nicht existieren oder vielmehr einander aufreiben. ich habe neulich in
einer Zeitung gelesen das auf den Congres viel davon gesprochen würde
was dan eigentlich die V.e. Staaten mit der Schwarzen Bevölkerung
welche sich auf einige Millionen beläuft an zu fangen sei und es würde
wohl das beste sein Sie wieder nach Afrika zu senden und sie dort zu einen
freien Volke machen. die Neger welche in den freien Staaten wohnen sind
keine Sklafen. sie bezahlen Tex und abgaben aber sie haben kein Stimmrecht.
sie be kommen auch nirgend eine anstellung. kurtzum sie sind Negers
...
* * *
Bathalimes Caunti Weite Krick September d. 30. 1867
... mein Sohn Heinrich ist erst 15 Jahr alt. er hat wenig in der Schuhle
gelernt. er hatte auch nicht viel lust und da bei keine besondre gaben
zum lernen. er ist ein starker Jüngling und ich hoffe er wird in zu
Kunft ein tüchtiger arbeiter das heist nicht allein auf den Aker sondern
auch in aller hand zimmerarbeit. das heist so viel er besitzt etwas Geistes
Gaben. aber man pflegt zu sagen es sind Schlechte brunnen wo man das Wasser
erst oben hinein tragen muß was man hernach gedenkt wieder herauszu
Schöpfen ...
* * *
Weite Krick Märtz 21. 1872
... von der beforstehenden wahl kan ich für diesmahl nicht Schreiben
weil die Canidaten noch nicht aus gemacht sind. zwar ist unsre Regierungsform
wohl die beste in der Welt weil wir ein Volck sind welches sich Selbst
regiehrt aber unter den beamten giebt es immer noch zu Viel Spitsbuben
und dieses uebel wie ich glaube liegt vieles in der Nation weil die so
genante Angelsächsische partei noch immer die Vorherschende ist. weil
wir nach Gottes Willen beinahe beide alt sind so möchte ich Freundlich
bitten mit den wieder Schreiben nicht so lange zu warten. ...