An die Auswanderer / To the Emigrants
Auswanderer wurden immer auch diffamiert. In den „Oldenburgische(n) Blättern“ hat ein anonymer Poet am 15. Oktober 1833 sein Urteil gefällt:

Emigrants were frequently recipients of unjustified criticism. An anonymous poet passed jugdement upon the emigrants in the „Oldenburgische Blätter“ of October 15, 1833:
(1)Wie preis’t euch Deutschen man so sehr 
Ein Paradies dort über’m Meer? 
Was drängt, der Zukunft unbewußt, 
Euch von der Heimath Mutterbrust? 
(8)Dann wandelt, in manch Eigenthum 
Vereinzelt, sich die Wüste um, 
Und unser liebes deutsches Land 
Wird Edens Garten einst genannt; 
(2)Es mag der t r ä g e Bürger ziehn! 
Dem Fleiß kann hier auch Segen blühn; 
Hier, wo es nicht an Land gebricht, 
Giebt es auch Uebervölkrung nicht. 
(9)Und manchem Armen wird so leicht 
Beschäftigung und Lohn gereicht, 
Daß er an reicher Brüder Brust 
Erwarmt zu neuer Lebenslust. 
(3)Ihr Deutschen Brüder, schaut umher, 
Noch ist manch Plätzchen menschenleer, 
Das zum Gedeihen edler Frucht 
Nur einen treuen Pfleger sucht. 
(10)Im Vaterland der eigne Heerd 
Der bleibt dem Deutschen lieb und werth, 
Und was er drinnen wirkt und schafft, 
Bewährt des Deuschen innre Kraft. 
(4)Noch dienen große Flächen kahl 
Den Heerden nur zum kargen Mahl, 
Und unbewußt birgt reichen Schatz 
Noch Stoppel- und Gemeinde-Platz. 
(11)Und durch ein unauflöslich Band 
Geknüpft an Fürst und Vaterland, 
Steht er mit alter Deutscher Treu 
In allen Stürmen kräftig bey, 
(5)Hier strotzt ein Wald in üpp’ger Kraft 
Des Bodens, der den Weizen schafft; 
Dort strebt im Sand und hier im Moor 
Nur kümmerlich die Saat empor. 
(12)Und weichet nicht von Treu und Pflicht, 
Und weicht vom Vaterlande nicht, 
Weil er, bey trüber Gegenwart, 
Auf bessre Zukunft ruhig harrt. 
(6)Wenn hier, von fleißger Hand gepflegt, 
Der Wald wohl Brod für tausend trägt, 
So dort in hoher Ueppigkeit 
Erl’ oder Kieferwald gedeiht. 
(13)Auf seiner Fürsten Biedersinn 
Blickt stets sein Fleiß vertrauend hin; 
Er spricht, baut er sein täglich Brod: 
Den guten Fürsten segne Gott! 
(7)Drum weckt durch Fleiß und Thätigkeit, 
Was uns Natur so reichlich beut! 
Dies liegt im Vaterlande ja 
Euch näher als Amerika. 
(14)So denket fest und gut und wahr 
Ein ä c h t e r Deutscher immerdar;
Wer nicht zu d i e s e n sich gesellt, 
Mag z.i.e.h.e.n in die neue Welt!

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