Antonius Holtmann

Amerika-Auswanderung im Kontext einer (gescheiterten) Revolution: 1848/1849. Szenarien eines überschätzten Zusammenhangs.

Gängige Vorstellungen

Einen guten Ruf haben sie in den USA, die „48er“, und viele von ihnen müssen dort angekommen sein, wenn man sich leichtfertig der Schautafel überlässt, die Juergen Eichhoff 1989 herausgebracht hat[1]. Dem Säulendiagramm sind historische Ereignisse zugeordnet, z.B. „1830: Revolutionary Unrest in Germany“ und „1848: Revolutions Fail in Germany and in Austria-Hungary“. Ursache und Wirkung drängen sich eindeutig auf: Unruhen lassen die Auswanderungszahlen ansteigen (bis auf 30.000 im Jahre 1840), das Scheitern treibt sie 1854 auf 215.000, und der Bürgerkrieg in den USA lässt sie auf 27.500 absinken. Gerade die Evidenz der letztgenannten Relation macht leicht vergessen, dass ökonomische Ursachen in den Auswandererzahlen ihre bestimmende Wirkung zeigten: Missernten gewiss 1814-1817, zu Beginn der 30er, Mitte der 40er und zu Beginn der 50er Jahre, aber vor allem strukturelle Faktoren; im deutschen Nordwesten z.B. der Rückgang der familiär am häuslichen Webstuhl betriebenen Leinenproduktion aufgrund vor allem britischer, maschinell in Fabriken bearbeiteter Baumwolle, z.B. die Markenteilungen, die vielen Landlosen nun auch noch die Nutzung des Gemeindelandes entzogen, z.B. die Überbevölkerung, die sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts im Geburtenüberschuss wohl auf Grund verbesserter Handelsbeziehungen angekündigt hatte. Noch immer sicherten das Erbrecht und das Teilungsverbot die Zahl und den Bestand der Bauernhöfe, und beides vergrößerte die Zahl der landlosen Haushalte. Mehr und mehr Kinder überlebten, die als nicht erbberechtigt in die Landlosigkeit abgedrängt wurden (Schlumbohm: „Abstiegsmoblität“) oder dort, in die Landlosigkeit hineingeboren, verblieben[2]. Die Niederlande boten nicht mehr hinreichend Saisonarbeit (Hollandgängerei) an und das große Angebot an Arbeitskräften drückte die eh schon geringen Löhne[3]. Da wurden die USA attraktiv, und ein Einkommensgefälle von 1:6 bis 1:10 und die Chance, in drei Tagen einen Hektar Land erarbeiten zu können (1 ha = 2.471 acres; 1 acre = $ 1,25), waren einer zahlreichen Minderheit Anreiz genug, Deutschland für immer zu verlassen, um in Amerika „ein besseres Leben zu machen“. Das setzte 1832 ein und ergab (nach Jürgen Eichhoff) um 1850 folgende Zahlen:

1843:14.441
1844:20.731
1845:34.355
1846:57.561
1847: 74.281
1848:58.465
1849:60.235
1850:78.896
1851:72.482
1852:145.918
1853:141.946
1854:215.009
1855:71.028


 


Differenzierende Aussagen würden regionale Detailstudien verlangen, die aber auch nur beispielhaft mit Hilfe vorsichtig zu interpretierender subjektiver Zeugnisse den individuellen Motiven im Kontext struktureller und institutioneller, d. h. politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Faktoren, auf die Spur kämen. Plausibel könnten die Zunahmen von 1846 und 1847 auf die Missernten der Jahre 1845 und 1846 zurückgeführt werden. Aber es wäre gar nicht plausibel, den Anstieg der Zahlen von 1850 auf exilierte und geflohene Revolutionäre[4] und auf enttäuschte Sympathisanten in Gestalt normaler Auswanderer zurückzuführen, und den rasanten Anstieg von 1852 bis 1854 auf endgültige und darum massive revolutionäre Perspektivlosigkeit und Frustration. Missernten und wirtschaftliche Stagnation würden dabei übersehen und was sich daraus an Resignation, Perspektivlosigkeit und Frustration ergab, würde zu sehr politisiert, mag mittelbar das Scheitern der Revolution vielen die individuelle Entscheidung auch erleichtert haben, doch auszuwandern.

Revolutionäres aus dem „finstern Winkel Deutschlands“.
Bernhard Wechsler: „Die Auswanderer“ (1846)[5]

„Als die erste und wichtigste Ursache der Auswanderung nenne ich Ihnen die zunehmende Bildung. ... Was man sich sonst hat gefallen lassen, das erträgt man jetzt mit Murren und lautem Widerspruch, das wird jetzt eine drückende Last, die man sich nicht weiter will aufbürden lassen. Der Schmerz über Ungleichheit, über Rechtlosigkeit, über wirkliche und oder vermeintliche Zurücksetzung, über Nichtbeachtung von Ansprüchen u.s.w. steigert sich in dem Maaße, in welchem die Empfänglichkeit für Recht und Gleichheit, für Wahrheit und Menschenwürde zunimmt, in welchem diese Begriffe und Ideen Gemeingut werden und in Folge der Bildung immer mehr werden müssen, und es ist daher nicht nöthig, daß das Maaß des Widerwärtigen, Unvollkommenen an sich größer werde - ... es kömmt nur darauf an, daß es als solches erkannt werde, daß in den Menschen der Gedanke immer lebendig werde, es sollte nicht so sein ...

Bernhard Wechsler, Landesrabbiner in Oldenburg, hatte dies am 20. Dezember 1846 im „Verein für Volksbildung zu Oldenburg“ gesagt, im „finstern Winkel Deutschlands“, der sich noch nicht, wie bereits Amerika, „emancipiert“ habe von der „Beschränkung seiner Bürger“, erst recht nicht der jüdischen, die man „selbst das Recht, ein Nachtwächter, oder ein Dorfvogt, oder ein Feldhüter zu werden um den Preis eines Religionswechsels erkaufen“ lasse. Aber „selbst in die untersten Schichten des Volkes (sei) eine Masse von Kenntnissen und Fähigkeiten, von Begriffen und Ideen, ein gewisses Selbstbewußtsein“ eingedrungen. „Gottlob“ könne „man den Bildungstrieb nicht hemmen und nicht ins Stocken bringen“. Also werde man „darauf bedacht sein müssen, ... den schreienden Widerspruch zwischen dem geistigen und materiellen Leben zu heben, auf daß nicht der böse Geist der Unzufriedenheit noch mehr geweckt werde“. Da biete sich auch „dem Familienvater mit kärglichem Auskommen“ Amerika an. Es habe das „Zauberwort“ gefunden, „die volle Berechtigung der Person, die in keiner Zwangsjacke eingeschnürte Freiheit der Bewegung, die Abweisung der Versuchung, auf Kosten des Individuums und seiner natürlichen Ansprüche eine gesellige Ordnung zu gründen oder sich auf die schwindelnde Höhe einer künstlichen, nur mit großen Opfern zu behauptenden Macht schwingen zu wollen“. Und dies „Zauberwort“ könne auch in Deutschland gesprochen werden und „das Feldgeschrei ‚Amerika!‘“, das „selbst die entlegensten Winkel des Vaterlandes“ erreiche, um seine derzeitige Wirkung bringen: „Überall ist Amerika, wo nur die Hand nicht müssig in den Schoß gelegt wird und Verzagtheit und Muthlosigkeit die Gemüther benebelt und erstarret.“

Bernhard Wechsler bewunderte Nordamerikas „große, weise, patriotische Staatsmänner“, die „an der Wiege seiner Geburt gestanden und (dies) Zauberwort gefunden haben.“ Er wollte Auswanderung nicht „verhindern“, aber auch nicht „befördern“. Er forderte Revolutionäres für Deutschland, gut ein Jahr vor den Märzereignissen des Jahres 1848, um den Verhältnissen ein Ende zu machen, die Auswanderung „beförderten“ und dem „Feldgeschrei“ und dem „Zauberwort“ Resonanz verschafften. Er verwies auf die Republik als Lösung auch für Deutschland: In Amerika gebe es „ein freies Schalten und Walten des Associationsgeistes, im politischen Leben vollkommene Oeffentlichkeit, unverkürzte Theilnahme des Bürgers an der Gesetzgebung und dem Staate, offene Herrschaft des Gesetzes, Oeffentlichkeit und Mündlichkeit überall, Freiheit der Rede, keine Verfolgung wegen politischer Meinungen, ein Minimum der Einmischung des Staates in die Gemeindeverhältnisse, gar keine in die Presse, in die geselligen und politischen Verbindungen“.

Bernhard Wechsler hat die Auswanderer klassifiziert: „1. Auswanderer aus Armuth; 2) aus Furcht vor Verarmung: 3) aus Mangel an Gelegenheit, ihre Kräfte und Mittel gehörig anzuwenden; 4) aus Nachahmung und Beispiel; 5) aus politischen, 6) aus religiösen Rücksichten; 7) sogenannte Glücksritter und endlich, 8) solche, die mit den Gesetzen und der bürgerlichen Ordnung bei uns zerfallen sind, Flüchtlinge aus mancherlei Ursachen.“ Bewusste politische Motivationen hat Bernhard Wechsler an die 5. Stelle gesetzt. Er hat aber auch betont, was den anderen mehr oder weniger nicht bewusst war: die gesellschaftliche Vermittlung ihrer individuellen Entscheidungen durch das Zusammenspiel von Revolutionsfolgen (1789/1830/1848) und stagnierender Politik und Ökonomie der herrschenden und 1849 wieder gestärkten Reaktion.

Reaktionäres aus dem „finstern Winkel Deutschlands“: An die Auswanderer (1833)

Den volkstümlichen Ton konservativer Bedenkenträger der Reaktionszeit des Vormärz hat ein Poet am 15. Oktober 1833 in den „Oldenburgische(n) Blätter(n)“ in Verse geschmiedet[6]:

„An die Auswanderer

(1)          Wie preis’t euch Deutschen man so sehr
Ein Paradies dort über’m Meer?
Was drängt, der Zukunft unbewußt,
Euch von der Heimath Mutterbrust?

(2)          Es mag der  t r ä g e  Bürger ziehn!
Dem Fleiß kann hier auch Segen blühn;
Hier, wo es nicht an Land gebricht,
Giebt es auch Uebervölkrung nicht.

...

(10)      Im Vaterland der eigne Heerd
Der bleibt dem Deutschen lieb und werth,
Und was er drinnen wirkt und schafft,
Bewährt des Deutschen innre Kraft.

(11)      Und durch ein unauflöslich Band
Geknüpft an Fürst und Vaterland,
Steht er mit alter Deutscher Treu
In allen Stürmen kräftig bey,

(12)      Und weichet nicht von Treu und Pflicht,
Und weicht vom Vaterlande nicht,
Weil er, bey trüber Gegenwart,
auf bessre Zukunft ruhig harrt.

(13)      Auf seiner Fürsten Biedersinn
Blickt stets sein Fleiß vertrauend hin;
Er spricht, baut er sein täglich Brod:
Den guten Fürsten segne Gott!

(14)      So denket fest und gut und wahr
Ein  ä c h t e r  Deutscher immerdar;
Wer nicht zu  d i e s e n  sich gesellt,
Mag  z i e h e n  in die neue Welt!“

Wer dennoch auswanderte, hat den Versprechungen der Strophen 3 bis 9 nicht getraut: dass die Natur in der Heimat Land genug bereit halte denen, die fleißig und tätig seien, dass aus deutschen Land ein Garten Eden werden könne, so dass manch Armer

„... an reicher Brüder Brust Erwarmt zu neuer Lebenslust“.

Industriearbeit, die in den USA schon manche Landsuchende Städter werden ließ, geriet dem „ächten Deutschen“ noch nicht in den Blick.

Ein volkstümlicher Resonanzboden: „Ein 49 Vers starkes Gedicht“ (1834)[7]

Gegen diese Stimme für’s Volk lässt sich im selben Jahr eine Stimme aus dem Volk stellen, die ein wenig weiter südlich kursierte, im Osnabrücker Land: „Ein 49 Vers starkes Gedicht".

Ein mit „Franz Lahmeyer" gezeichneter Text, gedruckt am 25. Januar 1833 in Baltimore, sei "von Bremen aus in die hiesigen Lande versandt" worden, hieß es am 1. Juli 1833 in einer Mitteilung der Landdrostei Osnabrück. Die „Schmähschrift" sei daraufhin zu überprüfen, „ob ... Aufregung dadurch entstehn könnte". Franz Lahmeyer, ein "concessioniert gewesener Zahn-Auszieher" und „im schlechten Ruf stehender Drechsler-Geselle, der auch schon Schauspieler gewesen" und als „überspannter Mensch bekannt", sei im August 1832 ausgewandert. Er stamme aus Ostercappeln (15 km nordöstlich von Osnabrück). Schon am 18. März 1833 berichtete der Wachtmeister Wiege aus Bohmte dem Kommandeur der königlichen Dragoner in Osnabrück, ein „Druckwerk, das sich hauptsächlich zur Aufwiegelung eignen kann", kursiere unter den Leuten, niemand wolle es besitzen, er habe aber doch ein Exemplar aufgetrieben. Es sei „eine Aufmunterung, das Vaterland zu verlassen, weil der jetzige Zeitgeist für so etwas besonders empfänglich“ sei. Es handle sich um „ein 49 Vers starkes Gedicht, welches die großen Vortheile Americas gegen die deutsche Verfassung schildert", berichtete ein anderer 5 Tage später. Es „sollen viele Einwohner von Auswanderung sprechen und dazu Anstalten treffen", berichtete die Landdrostei am 2. April dem Innenministerium: das Gedicht werde „von der ausschweifenden Classe mit Begierde gelesen". Hannover verzichtete auf „Maßnahmen", empfahl den „Landdragonern" aber doch, „hin und wieder vorfindende Exemplare an sich zu nehmen, wobei (sie) zugleich Gelegenheit finden werden, die Besitzer der gedachten Verse über deren Unwerth und schlechte Tendenz aufzuklären":

(1) „Heil dir Columbus, sey gepriesen,
Sey hoch geehrt in Ewigkeit,
Du hast uns einen Weg gewiesen
Der uns aus harter Dienstbarkeit
Erretten kann, wenn man es wagt,
Und seinem Vaterland entsagt.

(2) Entledigt euch der Sclavenketten,
Die euch und eure Kinder drückt
Und wählet euch der Blumenbetten
Womit sich unser Boden schmückt.
Ja er verschafft uns Fröhlichkeit
Nach unsrer harten Dienstbarkeit.

(48) Ich will euch Brüder nicht verleiten
Zum Aufruhr, nein, bey Leibe nicht!
Könnt ihr die Kosten nur bestreiten,
So kommt zu mir, und säumet nicht.
Daß man bey Rebeljon verliert,
Das hat auch Hesseland gespürt.

(49) Drum meide Jeden, der den Stempel
Der losen Sitten sicher glaubt,
Damit ihr nicht durch den Exempel
Euch eure Freyheit selbst beraubt
Und hiermit end' ich mein Gedicht.
Nun kommet her, und säumet nicht."

Die 49 Strophen kursierten als „Sinnreiche Einfälle in Stunden froher Laune über mein Vaterland Europa verglichen mit den vereinten Staaten, gewidmet für meine europäischen Freunde im Königreich Hannover, verfaßt von Franz Lahmeyer, M.D. (= Medicinae Doctor = Dr. med.), Baltimore, gedruckt auf Kosten des Verfassers, den 25sten Januar, 1833".

Schwarz-weiß wurden die Szenarien hier gemalt, dem „Paradies Amerika“, die „Sclavenfesseln“ und „Räuber-Klauen“ der Alten Welt gegenübergestellt:

„Hier tanzt die Bürgermeisterin / Selbst nebst der Besenbinderin“.

Das war „in dem gelobten Land hier“ schon die bessere Alternative, besser als „Rebeljon“ wie man’s im „Hesseland“ soeben erfahren habe (1830/31). Der Autor traf wohl die Mentalität der meisten derer, die „Gram und Hungernoth“ hinter sich lassen wollten und ihre Kinder trösteten „mit dieses Land, Amerika“: Politik zu ändern war nicht ihre Sache. Sie entzogen sich den „Tyrannen“ und der „Rebeljon“.

Heinrich Arminius Rattermann, aus Winkum nach Cincinnati ausgewandert, Versicherungs­unternehmer und Schriftsteller, hat im März 1875 in der „Monatsschrift für Erinnerungen aus dem deutschen Pionier-Leben in den Vereinigten Staaten“ („Der Deutsche Pionier“) eine geringfügig veränderte Fassung als „Lied aus Amerika“ veröffentlicht und dazu eine Geschichte erzählt, die den Polizeiakten im Staatsarchiv Osnabrück die Schau stiehlt[8]. Franz Josef Stallo, Buchdrucker im südoldenburgischen Damme, habe „die Bauern gegen die Steuerzahlungen aufgebracht“ und er habe „sich die Ungnade der Oldenburgischen Regierung durch die Publikation und Verbreitung aufrührerischer Schriften, Lieder u.s.w.“ zugezogen. Er habe „unter beständiger polizeilicher Aufsicht“ gestanden und diese „gespannte Stellung mit der Landespolizei (sei) noch dadurch erhöht“ worden, „daß er ... als Agent für Auswanderer fungirte“. Dieses Lied habe er im Frühjahr 1831 aus Amerika bekommen und es habe „bei den derben westphälischen Bauern ... sicheren Eingang“ gefunden; es sei „in der ganzen Gegend gesungen“ worden. Er habe „etliche hundert Exemplare desselben verkauft“. Stallo sei „gefänglich eingezogen, seine Buchdruckerei confisciert und Jeder, in dessen Besitz ein Exemplar des Gedichtes vorgefunden wurde, mit Gefängnis bestraft“ worden: „mehr als zweihundert Personen“.

Heinrich Rattermann hat in der Fremde trügerische Erinnerungen an die Heimat nach 40 Jahren zur Legende verdichtet und dem, was da im katholischen Oldenburger Münsterland betrieben wurde, eine unangemessene politische Stoßrichtung verliehen. Nicht republikanisch-demokratische, sondern wirtschaftliche Motive trieben den Agenten Auswanderer zu. Diese Motive ließen wohl auch Franz Josef Stallo noch im April (!) 1831 auswandern[9] und schon 1832 in Cincinnati eine Siedlungsgesellschaft gründen. „Stallotown“ nördlich von Dayton/Ohio wurde daraus, wenige Jahre später „Minster“ genannt. Und da habe ihn dann auch, so erzählt Heinrich Rattermann, im Sommer 1833 die Cholera dahingerafft, die das sumpfige Siedlungsgebiet überschwemmte. Auf einem Schimmel sei er „im gestreckten Galopp die rauhe Plankenstraße auf und nieder“ geritten: „Ich kann, ich darf noch nicht sterben! ... Was würde aus den armen Leuten ...!“ Er „warf sich auf’s Bett und hauchte nach wenigen Minuten unter heftigen Krämpfen seinen Geist aus“.

Mit dem 20. März 1833 ist der erste Osnabrücker Polizeibericht zum „Lied aus Amerika“ datiert; am 31. Mai 1833 war der Vorgang beendet, ohne den „Schimmelreiter“ von Ohio zu erwähnen.

Deutsch-amerikanische Reaktionen: Cincinnati und New York, Missouri und Wisconsin, 1848-1853

Des Buchdruckers und „Schimmelreiters“ Neffe, Johann Bernhard Stallo[10], mit 16 ausgewandert (1839), von 1885-1889 Botschafter der USA in Rom, hat als 25jähriger Anwalt am 4. April 1848 auf einer „Massenversammlung der deutschen Nordamerikaner von Cincinnati und Umgegend“, dazu aufgerufen, sich „an dem Freiheitskampfe (der) deutschen Stammbrüder ... zu betheiligen“. In Vechta (Oldbg.) standen die „Beschlüsse“ am 21. Mai 1848 im „Sonntagsblatt“.

„Der Blitz ... von Paris“ habe nun auch „in Deutschland gezündet“, hieß es da. Ein „blutiger und langandauernder Kampf“ stehe bevor, weil „Rettung und Hilfe“ nicht mehr „auf dem sogenannten gesetzlichen Wege“ möglich seien: Darum schicke man auch keine „glänzenden Redensarten und zierlichen Glückwünsche“ herüber, sondern Geld aus der zu gründenden „deutschen Revolutionskasse“, in die hinein gesammelt werde in deutschen Vereinen, Konzerten und Theatern und „vier Wochen hindurch jeden Sonntag ... an den Kirchthüren“. Und eine „schwarz-roth-goldene Revolutionsfahne“ sollte angefertigt werden von „allen hochgesinnten Frauen und Jungfrauen deutschen Stammes in Cincinnati und Umgegend“ für die „Krieger desjenigen deutschen Staates, ... in welchem der erste Schlag zu einem großen deutschen Freistaat geführt“ werde.

Die Freiheitsfahne ist wohl in Cincinnati geblieben – und die Freiheit auch.

Am 6. Januar 1850 beantwortete sich das „Sonntagsblatt“ eine „Narrenfrage:

Worin sind alle Deutschen einig? – Daß sie uneinig sind.

Wo sind alle Deutschen frei? – In Amerika“.

Am 9. Juni 1848 erreichte eine „Adresse der Bürger von New York“ die Abgeordneten in der Paulskirche[11]. „Hätte nicht gegolten, schnell zu handeln, hätte sich der Strom der überall regen Sympathien für das geliebte alte Vaterland in ein Bett leiten lassen“. So aber könne es nur eine „kleine Gabe“ Geldes sein (3500 Taler), „nicht blos unter dem Sternenbanner unserer durch Einigkeit großen Republik, sondern gleichzeitig auch unter dem, aus dem Feuer und auch wohl aus der Asche so mancher heißen innigen Wünsche wie ein Phönix emporgestiegenen Banner des einige gewordenen Deutschlands ..., welches den Deutschen hier von jeher das freie entfaltete Symbol der Einigkeit war, durch welche allein wir diesseits und jenseits des Oceans stark sein können“. Die „kleine Gabe“ galt „den armen Hinterlassenen der Blutzeugen der jungen Freiheit Deutschlands“. Der Abgeordnete Brunck beantragte den „deutschen Brüdern in Amerika ... ein Lebe-Hoch! Sie leben hoch! (Die Versammlung stimmt(e) in diesen Ausruf ein.)“

Die Reaktion „der deutschen Brüder“ konnte auch anders ausfallen. Im „Lutheraner“, der Kirchenzeitung der altlutherischen „Missouri-Synode“[12], war schon am 4. Mai 1848 in einer „Privatcorrespondenz“ aus Elberfeld davon die Rede, „daß Schaaren sich zur Auswanderung rüsten“. Die Zustände seien „fieberhaft und Gefahr verkündend“. Die entlassenen Arbeiter seien „feil für neue Unthaten“. Das Volk fange „an zu fühlen, daß es sich durch die Revolution die größte Geisel aufgebunden“ habe. (22. August 1848) Christen bleibe nur Gottes Wort, „welches alle Revolution hart verpönt“. (12. September 1848). „Die deutsche Nation (habe ihre) edelsten Güter in sclavischer Nachahmung des französischen Erbfeindes um ein Linsengericht verkauft“. In der Paulskirche habe man weder „Gott die Ehre gegeben noch Gott um seinen Segen angerufen“. Man habe „in seinen Fortschrittsbestrebungen die Todesstrafe abgeschafft“. Da gebärdeten sich „unbärtige Knaben, Studenten und Gymnasiasten, statt den Aeltesten unterthan zu sein wie Petrus ermahnt, ... als die Herren und Heilande Deutschlands“. (19. September 1848) Revolution sei nun mal „in Gottes Wort verboten: Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; Röm. 13,1“ (17. Oktober 1848) Sie sei eine „Berauschung aus dem Taumelbecher der fleischlichen Freiheit, den der Satan ... den Kindern des Unglaubens voll eingeschenkt hat, um sie unter Vorspiegelung der Freiheit zu seinen Knechten zu machen“. (6. Februar 1849) „Die Saat des Unrechts (sei) selbst durch die gemäßigten, von der Nation gefeierten Männer w. H. v. Gagern, Dahlmann, Uhland u.s.w. ausgestreut“ worden. (30. Oktober 1849) Es sei, „von Frankreich herkommend, ... eine eigenthümliche Tollheit“ gewesen, ein „politischer Veitstanz“, eben das „Märzfieber“, das viele Menschen ergriffen habe: „Je länger und struppiger Bart und Haare ..., je stärker.“ Und „die rothe Farbe“ sei ihnen „ein heftiges Begehren“ gewesen, „weßwegen sie auch oftmals rothe Fahnen vor sich hertragen ließen“. (25. Oktober 1853) „Revolutionäre Prediger“ seien jetzt „auf dem Wege nach den Ver. Staaten: Hilf Gott, wie werden doch wir armen Deutschen hier zu Lande heimgesucht mit dem Kehricht Deutschlands“. (23. November 1853)

Unter Verweis auf die „Kölnische Zeitung“ hat „Der Oldenburgische Volksfreund“ am 30, April 1850 aus dem „Wiskonsin Banner“ vom 4. Februar 1850 zitiert („das bedeutendste politische Organ im Wiskonsin-Staat“): Nach der Cholera drohe nun „eine andere Pest ... hereinzubrechen. ... Die Vorhut der deutschen Demokraten (sei) ... eingerückt“, und „der Schluß von der Klaue auf den Löwen“ lasse „liederliche Schufte“ erwarten. Keiner dieser „rothnasigen langbärtigen Demokraten ... (begehre) ein ordentliches Settlement – dazu (seien) sie zu faul“, diese „bankerotten Kaufleute, Advocaten ohne Praxis, entsetzten Staatsdiener, Handwerker ohne Kunden, versoffenen Arbeiter u.a.m. Ihre langen Bärte stecken sie in die Wälder, ihre funkelnden Nasen in die Prairien, ihre latschigen Lumpen in die halbgerodeten Aecker, und über alles hin soll flattern unser Sternenbanner als schirmender Geist. Wahrlich, wenn wir nicht wüßten, daß es gebe eine alte Welt, wir würden ihre Existenz entnehmen aus diesen Demokraten, den Pilzgewächsen eines verrotteten Baumstammes“.

 Viele dieser „Pilzgewächse“ aus dem „Kehricht Deutschlands“, die die „armen Deutschen“ in den USA „heimgesucht“ haben, kämpften im US-Bürgerkrieg auf Seiten des Nordens (Vgl. auf dieser Website der DAUSA: „1848er“.).[13]

Die Paulskirche: „Neudeutschland“ in den USA? (1848/1849)

Die von Deutsch-Amerikanern bewunderten und verachteten Paulskirchen-Abgeordneten haben Auswanderung als Grundrecht und im Rahmen eines Auswanderungsgesetzes diskutiert, mit viel Einmütigkeit; aber halt ohne Erfolg.

Am 20. Juli 1848 ging es um’s Grundrecht[14]. Der liberale Johann Ludwig Tellkamp aus Breslau verband national anthropologisierende Prämissen mit national-ökonomischen Interes­sen. „Alle Stämme Germaniens wandern gern“ und die mit uns verwandten Engländer und Amerikaner seien „am meisten gewandert ..., nachdem sie die freiesten Institutionen bekommen“ hätten: „Je freier die Verhältnisse ..., desto freier die Bewegung.“ Auswanderung verschaffe Deutschland auch wohlhabende Rückwanderer, „reich an Gütern und an Erfahrungen“. Draußen hätte durchaus schon „unter Schutz und Leitung ein neues Deutschland ... gegründet werden können“. In den USA betrage „die Zahl der Deutschen schon mehr als 4 Millionen, eine hinreichende Zahl, um bei den Wahlen beider fast gleich starken Parteien den Ausschlag geben zu können“ und „Handels-Maßregeln“ zu unterstützen, „die gleich günstig wären für Nordamerika und für Deutschland“.

Friedrich Schulz aus Weilburg („Linke im Frack“) geißelte den bisherigen Umgang der deutschen Staaten mit den Auswanderern: „Viele Tausende (seien) in Elend und Schande am Strande der fremden Meere und auf den Straßen fremder Städte verkommen. Die Geschichte dieser Gräuel (werde) dem deutschen Volke ewig zur Schmach gereichen.“ Er forderte Schutz und Fürsorge bis in die Siedlungsgebiete hinein, „wo sie zusammen wohnen können, wo deutsche Sprache und deutscher Geist sich erhält. In diesem ihrem Heiligsten müssen sie geschützt werden“. Den Armen sei eher durch Auswanderung geholfen und der Übervölkerung eher dadurch abgeholfen als durch dörfliche und städtische Armenhäuser. Mit der Hälfte der Summe hätte man „neue blühende Staaten gründen“ und „die herrliche Aufgabe der Menschheit“ erfüllen können, „die Wüsten der Erde zu einem Garten Gottes umzuschaffen“. Es gehöre „zum Leben eines gesunden tüchtigen Volkes, neue Volksindi­viduen zu begrün­den, welche frisch aufblühen, während es vielleicht selbst dahinwelkt“.

Nicht minder pathetisch plädierten der linksliberale August Hermann Ziegert aus Preußisch-Minden und der rechte Pfarrer Remigius Vogel aus Dillingen: Auswanderung sei „eine Sache des Staates“. In diesem Gedanken liege „eine Fülle von Humanität und Liebe, eine Fülle von gesunder Politik; ... und wenn (die Ausgewanderten) an den Ufern des Missouri wohnen, oder auf ihren stillen Farmen in den Urwäldern sitzen, werden sie das Parlament für diesen Beschluß segnen“. Der Stadtpfarrer von Dillingen bemühte „die Vorsehung“, die „dem deutschen Volke große materielle und geistige Güter und Vorzüge ... verliehen“ habe. Beides verlange staatliche Auswanderungspolitik ohne Abgaben und ohne Verlust der Staatsbürgerschaft zum Zeitpunkt der Emigration, „damit wir auch dadurch groß und geachtet dastehen unter den Völkern der Erde“.

Der liberale Friedrich Ludwig von Rönne aus Berlin hielt wenig von solcher Interessenpolitik und solchen Expansionsplänen. Auswanderung sei bisher „ein notwendiges Übel“ gewesen. Jetzt komme es darauf an, die Ursachen der Auswanderung zu entfernen“, d.h. „den heimathlichen Heerd so werth und theuer zu machen, daß in (den Menschen) der Gedanke, ihn zu verlassen, nicht einmal aufkommt“. Es dürfe nicht sein, daß „unzählige der schönsten Arbeitskräfte, Talente und Geschicklichkeiten und nicht unbedeutende Capitalien“ verloren gingen. Um Rückkehr zu erleichtern, müssten Vermittlung und Transport rechtlich eindeutig geregelt sein und es könne nicht angehen, daß „der Auswanderer, in den meisten deutschen Staaten, ich glaube sogar in allen, mit dem Augenblicke, wo er den Auswanderungs-Consens erhalten, eo ipso ausgestoßen (werde) aus dem deutschen Staatsverbande“[15]. Von Rönne unterstrich, was auch der linke Bruno Hildebrandt aus Marburg gefordert hatte: „Jeder Deut­sche hat das Recht der Auswanderung und hört auch im Auslande nicht auf, ein deutscher Bürger zu sein. Kein deutscher Bürger kann jedoch zugleich Bürger eines anderen Staates sein“.

Am 7. Dezember 1848 wurde während der Zweiten Lesung über die Grundrechte mehrheitlich beschlossen: „Art. I, § 6. Die Auswanderungsfreiheit ist von Staatswegen nicht beschränkt. Abzugsgelder dürfen nicht erhoben werden. Die Auswanderungsangelegenheit steht unter dem Schutze und der Fürsorge des Reichs.“[16]

Am 16. März 1849 hat die „Deutsche Constituierende Nationalversammlung“ die „Ausführungsbestimmungen“ zu Art. 1, § 6 beschlossen: das „Gesetz, den Schutz und die Fürsorge des Reichs für deutsche Auswanderung betreffend“[17]. Franz Josef von Buß, Völker- und Kirchenrechtler, Abgeordneter der äußersten Rechten, beklagte, dass man über ein „Transportgesetz“ nicht hinausgegangen sei. Er betrachte „die Auswanderungsfrage in ihrer praktischen Auffassung als eine Frage der öffentlichen Armensorge“. Viele seien zu arm, als dass sie auswandern könnten. Kirchen, vor allem die „in allen Erdstrichen heimische katholische“, Gemeinden, staatliche und private Stellen sollten, angereichert durch Kollekten, einen „Fond“ gründen, „um unsere leidenden Brüder zu übersiedeln“. Das solle bis zu Arbeitsbeschaffung und Landkauf reichen. Das sei „der beste Weg, um Frieden unserem Vaterlande zu bringen, wenn wir Denjenigen, welche durch Armuth zur Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verleitet werden, eine Unterkunft gewähren, welche der Nation zudem noch viele Früchte bringen“ werden.

Das war die humane Variante der „Übersiedelungen“ und „Transportationen“, mit denen Gemeinden und Staaten Arme und (häufig auf Grund von Armut) straffällig Gewordene weggeschafft haben.[18]

Das Elend der aus Groß-Zimmern Weggeschafften[19] war auch den Abgeordneten vertraut.

Im „volkswirthschaftlichen Ausschuss“ ist der Gesetzentwurf beraten, formuliert und begründet worden. Es gehe auch darum, den in den „nord-amerikanischen Freistaaten bestehenden blühenden deutschen Ansiedlungen neue Kräfte zur Stärkung und zur Erweiterung des bereits so gewichtigen deutschen Elements hinzuzufügen“. Ein „weiterer, nicht zu berechnender Zug“ werde folgen, „um die beiderseits vereinigten Staaten immer mehr zu verbrüdern“. Die USA seien ein „uns verwandter transatlantischer Bundesstaat“, in dem deutsche Einwanderer Deutsche bleiben sollten bis zu der von ihnen gewünschten Einbürgerung: Es „soll und darf die Mutter ihre Söhne nicht lassen, solange diese sich nicht selbst von ihr lossagen“.

Friedrich Schulz aus Weilburg, „Linker im Frack“, hat in dieser Debatte mit von der Grundrechtsdebatte her gewohntem Pathos das letzte Wort gehabt. Deutschland müsse „mit Nordamerika wetteifern in freien Institutionen; wir müssen ... von unseren Ansiedlungen lernen, denn Colonien entwickeln sich schneller als das Mutterland; wir müssen den nordamerikanischen Unternehmungsgeist und frischen Muth in unsere Gauen pflanzen“. Der „richtige Weg“ sei eingeschlagen, wenn Gemeinden „ihre Armen auf Gemeindekosten in die neue Welt übersiedeln“. Die „germanischen Völker“ schienen „vorzugsweise bestimmt zu sein, den Erdball in Besitz zu nehmen“. Diese Völkerwanderung gehe von Osten nach Westen: „Nach Sonnenuntergang hat sich seit Jahrtausenden die Menschheit gesehnt.“ Dafür stünden die „Gärten der Hesperiden“, die „Goldgruben Perus“ und die „mächtigen Urwälder der Vereinigten Staaten, wo ein Volk von Königen“ emporwachse. „Der Instinkt des deutschen Volkes hat auch hier ... die rechten Gegenden gefunden, und zwar im Westen Nordamerikas.“ Dort solle man Land ankaufen und geschlossen siedeln. „Die Deutschen ... könnten Amerikaner werden, ohne deutsche Sprache, Sitte und Literatur ... ganz zu vergessen. Am großen Ozean kann ein mächtiges herrliches Neudeutschland erblühen, welches die natürliche Freundschaft der Vereinigten Staaten mit uns noch bedeutend verstärkt.“

Diese Worte verhallten schon im März 1849 zum hohlen Pathos, als die Revolution zerrann.

Aus dem „herrlichen Neudeutschland“ ist nichts geworden. 1854 kämpften in Louisville (Kentucky) 48er gegen Sklaverei und (deutsche) Katholiken, Jesuiten insbesondere[20], und in Oldenburg (Indiana) sollen münsterländische Katholiken willens gewesen sein, die Gemeinde zur „Freistadt“ zu erklären und aus dem Bürgerkrieg auszusteigen (1862), ohne allerdings ihren Pfarrer dafür gewonnen zu haben[21].


Anmerkungen:


[1]   Jürgen Eichhoff: Immigration from Germany 1820-1888. Madison/Wisconsin: German House Research 1989

[2]   Antonius Holtmann (Hg.): „Ferner thue ich euch zu wissen“. Briefe des Johann Heinrich zur Oeveste aus Amerika. (1834-1876). Bremen: Temmen 1996. Das Buch ist vergriffen, aber vollständig auf dieser Website der DAUSA verfügbar (www.nausa.uni-oldenburg.de/zuroev/000html). Ders. (Hg.): Für Gans Amerika gehe ich nich Wieder Bei die Solldaten. Briefe des Ochtruper Auswanderers Theodor Heinrich Brandes aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg 1862/63. Bremen: Temmen 1999. Walter D. Kamphoefner: Westfalen in der Neuen Welt. Eine Sozialgeschichte der Auswanderung im 19. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoek 2006 (2. Auflage) Google bietet eine eingeschränkte Vorschau an: (http//books.google.com). Hans Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Zweiter Band: Von der Reformära bis zur industriellen un d politischen „Deutschen Doppelrevolution“ 1815-1845/49. München: Beck 1984. Vgl. insbesondere aber Jürgen Schlumbohm: Lebenläufe, Familien, Höfe: Die Bauern und Heuerleute des Osnabrückischen Kirchspiels Belm in proto-industrieller Zeit, 1650-1860. Göttingen: Vandenhoek 1994 (Graphik S. 55). Vgl. für den Nordwesten auch Antonius Holtmann: Einiges Grundlegende und Verlässliche zur frühen Auswanderung aus der Landdrostei Osnabrück des Königreichs Hannover in die USA im 19. Jahrhundert, verfügbar auf dieser Website der DAUSA (www.nausa.uni-oldenburg.de/buchf.htm).

[3] ..Franz Bölsker-Schlicht: Die Hollandgängerei im Osnabrücker Land und im Emsland. Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterwanderung vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Sögel: Emsländische Landschaft 1987

[4]   Ulrich Klemke: „Eine Anzahl überflüssiger Menschen.“ Die Exilierung politischer Straftäter nach Übersee. Vormärz und Revolution 1848/39. Frankfurt: Peter Lang 1994

[5]    Bernhard Wechsler: Die Auswanderer. Ein Vortrag, gehalten im Verein für Volksbildung zu Oldenburg am 20. Dezember 1846, nebst einem Vorworte. Oldenburg: Stalling 1847 - Der Text ist vollständig auf dieser Website der DAUSA verfügbar (www.nausa.uni-oldenburg.de/fundf.htm).

[6]   Der Text ist vollständig auf dieser Website der DAUSA verfügbar (www.nausa.uni-oldenburg.de/fundf.htm).

[7] Staatsarchiv Osnabrück: Rep 335, 4242, 155-177. Die mit Franz Lahmeyer gezeichneten „Sinnreichen Einfälle“ (1833) und das Franz Joseph Stallo zugeschriebene „Lied aus Amerika“ (1831) sind in einer Synopse auf dieser Website der DAUSA verfügbar. Zur Diskussion um die Zuordnung der beiden Varianten vgl. auf dieser Website: Antonius Holtmann: Franz Joseph Stallos „Lied aus Amerika“ (1831) und „Sinnreiche Einfälle“ des Franz Lahmeyer (1833): Trügerische „Erinnerungen aus dem deutschen Pionier-Leben in den Vereinigten Staaten“ (www.nausa.uni-oldenburg.de/pionier/framestallo.html). Eine zugespitzte Bilanz). Vgl. auch Anm. 8.

[8]        Heinrich Arminius Rattermann: Zwei Agitatoren der Auswanderung. II.: Franz Josef Stallo. In: Der Deutsche Pionier 7(1875)1, 2-6. (www.nausa.uni-oldenburg.de/pionier/frame.html: Übersicht der Jahrgänge: Jahrgang 7) – Heinz von der Wall (Hg.): Außer dem Vaterlande ist auch eine schöne Welt. Zu Leben und Werk des deutsch-amerikanischen Historikers und Autors Heinrich Arminius Rattermann 1832-1923. Ankum: Kreisheimat­bund Bersenbrück 1989

[9]   Mit 5 Kindern, zwischen 3 und 9 Jahre alt, war Franz Josef Stallo am 22. Juni 1831 auf dem Segler „Juno“ in New York eingetroffen (National Archives Microfilm Publications, Washington D.C., M 237, Rolle 14). Am 1. Mai 1832 berichteten die „Oldenburgische(n) Blätter“ von einem Brief, „den der ausgewanderte Buchbinder Stallo aus Damme im Januar d.J. aus Cincinnati geschrieben“ habe. Vgl. den in Anm. 7 genannten Aufsatz, in dem die Frage, wer denn nun als Verfasser des Liedes in Frage kommt, ausführlich diskutiert wird.

[10]    Armin Tenner: Cincinnati sonst und jetzt. Cincinnati: Mecklenborg und Rosenthal 1878, 443f.; Max Burgheim: Cincinnati in Wort und Bild. Cincinnati: Burgheim 1888, 589f.

[11]   Franz Wigard (Hg.): Reden für die deutsche Nation 1848/1849. Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zur Frankfurt am Main. Band 1. Frankfurt: Sauerländer 1848, 163 (zuletzt München: Moos & Partner 1988).

[12] Carl S. Meyer: Moving Frontiers. Readings in the History of the Lutheran Church – Missouri Synod. Saint Louis/Missouri: Concordia Publishing House 1986. – Die Zitate hat Harro Eichhorn zusammengestellt. Sie sind in größerer Zahl auf dieser Website der Dausa verfügbar unter „1848er“ (www.nausa.uni-oldenburg.de/auff.htm).

[13] Wolfgang Helbich/Walter D. Kamphoefner (Hg.): Deutsche im Amerikanischen Bürgerkrieg. Briefe von Front und Farm 1861-1865. Paderborn: Schöningh 2002

[14] Franz Wigard (Hg.): a.a.O., Band 2, 1055-1062. – Vgl. auch Herbert Reiter: Amerikabilder der Revolution von 1848. In: Peter Mesenhöller (Hg.): Mundus Novus. Amerika und die Entdeckung des Bekannten. Das Bild der Neuen Welt im Spiegel der Druckmedien vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Essen: Klartext 1992, 76-91; Werner Boldt: Die Anfänge des deutschen Parteiwesens. Fraktionen, politische Vereine und Parteien in der Revolution 1848. Paderborn: Schöningh 1971; Wilfried Fiedler (Hg.): Die erste deutsche Nationalversammlung 1848/49. Handschriftliche Selbstzeugnisse ihrer Mitglieder. König­stein: Athenäum 1980; Michael Kuckhoff: Die Auswanderungsdiskussion während der Revolution von 1848/49. In: Günter Moltmann (Hg.): Deutsche Amerikaauswanderung im 19. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Beiträge. Stuttgart: Metzler 1976, 101-145; Jörg-Detlef Kühne: Die Reichsverfassung der Paulskirche. Vorbild und Verwirklichung im späteren deutschen Rechtsleben. Neuwied: Luchterhand 1998; Wolfgang J. Mommsen: 1848. Die ungewollte Revolution. Frankfurt: Fischer 1998; Wilhelm Ribhegge: Das Parlament als Nation. Die Frankfurter Nationalversammlung. 1848/49. Düsseldorf: Droste 1998; Heinrich Scholler (Hg.): Die Grundrechts-Diskussion in der Paulskirche. Eine Dokumentation. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesell­schaft 1973

[15] In Preußen z.B. wurde dies entschieden praktiziert, um sich verarmter Rückwanderer entledigen zu können, nicht aber im Königreich Hannover, wo Auswanderung wohlwollend geduldet wurde und darum Staatsbürgerschaft erhalten blieb, gegen den Widerstand der Gemeinden, die für verarmte Rückwanderer zu sorgen hatten: vgl. Anm. 2:  Antonius Holtmann (Hg.): Ferner thue ich euch zu wissen ..., 19f. 

[16] Franz Wigard (Hg.): a.a.O., Band 5, 3897; Band 6, 4302

[17]        Franz Wigard (Hg.): a.a.O., Band 8, 5709-9730

[18]       Richard J. Evans: Szenen aus der deutschen Unterwelt. Verbrechen und Strafe, 1800-1914. Reinbek: Rowohlt 1997; Günter Moltmann: Die Transportation von Sträflingen im Rahmen der deutschen Amerika-Auswanderung des 19. Jahrhunderts. In: Ders. (Hg.): Deutsche Amerikaauswanderung im 19. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Beiträge. Stuttgart: Metzler 1976, 147-196; Horst Rößler: Hollandgänger, Sträflinge und Migranten. Bremen und Bremerhaven als Wanderungsraum 1750-1914. Bremen: Edition Temmen 2000.  -  Vgl. hierzu auf dieser Website der DAUSA: Antonius Holtmann:„Den müssen wir nach Amerika schicken“. Die Auswanderungs- und Übersiedlungspolitik im Königreich Hannover 1832-1866 (www.nausa.uni-oldenburg.de/buchf.htm: „Deportationen“: Abschiebung als Chancen?).

[19] Manfred Göbel: Auf noch Amerika! Von den Sorgen und Hoffnungen in Groß-Zimmern vor 150 Jahren, von der Auswanderung als Lösung sozialer Probleme und den Problemen, die dadurch entstanden. Groß-Zimmern: Odenwaldklub 1996; Agnes Bretting: Soziale Probleme deutscher Einwanderer in New York City 1800-1860. Wiesbaden: Steiner 1981

[20] Don Heinrich Tolzmann (Ed.): The German American Forty-Eighters 1848-1998. Indianapolis/Indiana: NCSA-Literatur 1998, 96-105

[21] Robert Wilken: A Historical Sketch of the Holy Family Church and Parish, Oldenburg/Indiana. Oldenburg/Indiana: Holy Family Parish 1937, 49. - Zum katholisch-demokratischen Milieu in Indiana und Cincinnati während des Bürgerkriegs vgl. Antonius Holtmann (Hg.): Für Gans America Gehe ich nich Wieder Bei die Solldaten, 50-58

 [Diese hier in Bezug auf die Literatur aktualisierte Skizze ist im Zusammenhang mit der Ausstellung „Schöne Neue Welt   -   Rheinländer erobern Amerika“ für das LVR-Freilichtmuseum Kommern erstellt worden und erstmals erschienen in: Rheinisches Freilichtmuseum und Landesmuseum für Volkskunde (Hg.): Schöne Neue Welt. Rheinländer erobern Amerika. Band II. Wiehl: Martina Galunder Verlag 2001, 329-338. (Vgl. http://www.migration.lvr.de)]


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